Zuallererst handelt es sich hier um die Suche einer Kunststudentin nach Antworten darauf, ob es möglich ist, übermäßig viele Stunden an einem Webstuhl zu verbringen, von Hand Teppiche zu weben und dabei etwas künstlerisch Relevantes zu schaffen. Nicht selten kommt hier die Frage auf, ob es nicht besser sei, das abzugeben, also ein Motiv vorzugeben und anderweitig umsetzen zu lassen. Allerdings spiegelt eben dieser Konflikt nicht nur wieder, dass textile Kunst, obwohl sie wieder fest in einem zeitgenössischen Umfeld etabliert zu sein scheint, nach wie vor Legitimationsschwierigkeiten hat, wenn es sich um vermeintliche Handarbeit handelt.
Des Weiteren zeigen sich in den Reaktionen auf einen derart zeitaufwendigen Produktionsprozess, die zeitlichen Effizienzlogiken, die auch in der Kunst als Maßstäbe angelegt werden. So stellte sich mir die Frage, ob nicht bereits das Weben von Hand in seinen vermeintlichen Nachteilen (der Langsamkeit, der Ungenauigkeiten im Vergleich zu mechanisierten Webprozessen) zu einer künstlerischen Geste wird, die bestehende
gesellschaftliche Anforderungen und Logiken hinterfragt. Kann der Prozess des Webens an sich von künstlerischer Relevanz sein?
Die Auseinandersetzung mit dem Textilen ist auch eine mit der Welt und menschlichen Ordnungssytemen. Welche Techniken jenseits des Textilen können diese Überlegungen erweitern und vertiefen? Über die Zeichnung, aber auch skulpturale Arbeiten, suche ich das textile Moment menschlicher Kultur zu veranschaulichen.


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